"Else blau"

Mit 200 Besucherinnen und Besuchern war die Lesung aus "Else blau" zum 70. Todestag von Else Lasker-Schüler am 22.1.2015 in der Bibliothek der Bergischen Universität ein voller Erfolg.
Die Else-Lasker-Schüler-Arbeitsstelle der Bergischen Universität, wurde vorgestellt von Prof. Dr. Andreas Meier
Moderation Dr. Christine Hummel
Musikalische Begleitung: Sayaka Schmuck, Klarinette

Hier einige Reaktionen und Pressestimmen zum Buch:








Von Beginn an, als Christiane Gibiec mir von ihrem Vorhaben erzählte, einen Roman über Else Lasker-Schüler zu schreiben, habe ich ihren Mut bewundert. Weil es eine der schwersten Herausforderungen ist, die Geheimnisse zu ergründen und sie darzustellen, die einem Werk, einem Gedicht den Glanz, die Tiefe geben. Das Buch „Else blau“ ist eine bewundernswerte Annäherung an die große Dichterin, dazu eine spannende Lektüre. Man findet Passagen, die so poetisch wie realistisch ein glaubwürdiges Licht auf die Stationen dieses ungewöhnlichen Dichterlebens werfen. Vor allem die Erzählungen von Liebschaften und Ehe, den Berliner Jahren, dem Chaos ihrer Gefühle zwischen Träumerei, Leidenschaften und Sehnsucht lassen uns teilnehmen an einem Wunder der Literatur, das letztlich geheimnisvoll bleiben muss. Aber für diese Annäherung sind wir dankbar! Es ist großartig, dass eine Wuppertaler Autorin das geleistet hat.

(Hermann Schulz, Autor und Verleger)

Christiane Gibiec hat sich ganz großartig in die Zeit, die Atmosphäre und natürlich in die komplexe Person der Dichterin eingearbeitet und damit ein absolut überzeugendes Buch geschrieben, dem ich recht viele Leser wünsche. Hier bekommt man auf sehr lesbare Art und Weise das Leben und Werk der Künstlerin vorgestellt.

(Dr. Stefan Litt Archivar des Nachlasses von ELS in der National Library of Israel, Jerusalem)


Pressestimmen:
Das Buch zeichne ein Lebensbild, dass die Spannung zwischen Elses Innenwelten und ihrer von außen gesehenen Persönlichkeit sichtbar mache, schreibt Gisela Schmoeckel in den Bergischen Blättern. Hier die gesamte Rezension:

Wuppertaler Rundschau:

Else Lasker-Schüler: Kein Herz. Nirgends - Christiane Gibiec hat sich an Lyrik-Ikone Else Lasker-Schüler herangetraut

Von Stefan Seitz

Ist es so, dass nur aus großem Unglück große Literatur entsteht? Wer sich mit Else Lasker-Schülers Leben beschäftigt, kann sich des Eindrucks nicht erwehren. Die Wuppertaler Journalistin und Autorin Christiane Gibiec hat Elses Leben auf etwa 280 Seiten Schritt für Schritt verarbeitet. Von der Kindheit in Elberfeld bis zum Tod in Jerusalem. Wo Sigrid Bauschinger vor zehn Jahren mit ihrer faszinierend detailreichen Else-Biographie dicke Pflöcke eingeschlagen hat, knüpft Christiane Gibiec – die Sigrid Bauschinger großen Dank ausspricht – an und geht das Wagnis ein, das Leben der Dichterin vom Herzen her zu dokumentieren. Und da gibt es viel zu schreiben, viel aufzuschreiben. Die ungeheuer farbige, emotionale und phantasievolle Lyrik Else Lasker-Schülers, die in der deutschen Dichtung (immer noch) ihresgleichen sucht, stammt aus einer Quelle, die stark mit tiefen Enttäuschungen verbunden ist. Und selbst wenn das Glück der Liebe hohe, wunderbare Wogen schlägt, folgt der Sturz. Unausweichlich. Partnerverlust, Tod, Krankheit, Armut, Vertreibung, Heimatlosigkeit. Es ist kein schönes Leben, das Christiane Gibiec schildert. Nur einzelne Momente des Glücks, nie lange Phasen. Kein (geliebter) Mann bleibt der Else „erhalten“, ihr Lieblingsbruder und ihr Sohn sterben früh, eine Heimat findet sie nicht und für ihr übervolles Herz nirgends einen Platz.
Christiane Gibiec präsentiert in mehreren Romankapiteln ein detailreiches Bild, das Elses eigenwilligen Charakter in Kontrast stellt zu ihrer Zeit, der sie weit voraus war. Gibiec, die mit vielen Originalzitaten und Gedichtversen arbeitet, lässt sich sehr tief ein auf „ihre“ Else: Die Anteilnahme für die liebevolle und liebebedürftige Dichterin ist auf allen Seiten spürbar. Aber es geht auch um die ehrliche Schilderung einer Frau, die anstrengend ist, sprunghaft, eigensinnig, zu viel trinkt, Geld gnadenlos verschwendet, Männer und Mode mag und „verbraucht“.
„Else blau“ ist ein textliches Wechselbad aus Passagen in rustikalem Elberfelder Platt, lebendigen Zeitdokumenten und sehr literarischen Abschnitten. Hier besonders zu nennen das Kapitel „Sascha“, die Schilderung der Beziehung zu Gottfried Benn – oder solche Sätze: „Immer seltener kann sie sich an den Strand ihres Herzens flüchten, wo es kein Alter gibt und der Atem der Ewigkeit weht, wo die Worte gleiten wie Nachen.“
Und das Buch macht eines sehr deutlich – die Bitternis des Exils. Was das durch die Nazis verursachte Entwurzeltsein der Jüdin Else Lasker-Schüler mit dieser Dichterin gemacht hat, welche Schuld die Schweizer Behörden dabei auf sich geladen haben – das lässt nur noch wütendes Zähneknirschen zu. Else konnte dem Holocaust nach Palästina entkommen. Glücklich geworden ist sie auch dort nicht. Sie ist arm und allein gestorben.
Wenn auch „Else blau“ am Ende zu sehr in einen Sprachstrudel gerät und überdreht: Es ist von Christiane Gibiec’ zahlreichen Büchern bisher das beste.
„Else blau“ von Christiane Gibiec ist im Bergischen Verlag erschienen und kostet im Buchhandel 19,95 Euro.

Wuppertaler Rundschau, 7. Mai 2014


Klappentext:
An der Wupper fordert der unaufhaltsame Siegeszug der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts seinen gnadenlosen Tribut. Armut, Krankheit und Kinderarbeit prägen das Leben im Tal. Umgeben von dieser Not, doch durch ein wohlhabendes Elternhaus geschützt, wächst in Elberfeld ein Mädchen auf, das später als die bedeutendste Vertreterin der expressionistischen Literatur gelten wird: Else Lasker-Schüler.

Einer behüteten Kindheit folgt der kompromisslose Weg einer unbeugsamen, eigenwilligen Frau und einzigartigen Dichterin, die das künstlerische, literarische Berlin der Jahrhundertwende stark beeinflusst und Franz Marc, Georg Trakl und George Grosz zu ihren Freunden zählt. Doch das schillernde Leben der Künstlerin wird mehr und mehr von privaten Schicksalsschlägen getrübt und durch Armut, Demütigung und Verfolgung im auflodernden Antisemitismus gezeichnet, bevor es schließlich nach Flucht und Emigration ein einsames Ende im Exil findet.

Vier Jahre hat die Wuppertaler Autorin und Germanistin Christiane Gibiec an ihrem biografischen Roman über die Dichterin gearbeitet. Mit dem Werk ist ihr eine sehr persönliche, einfühlsame Annäherung an das Leben dieser außergewöhnlichen Frau und zugleich ein bewegendes Zeitporträt gelungen. Sie taucht ein in das Leben der Lyrikerin, sieht die Welt mit ihren Augen. Wenn Christiane Gibiec spannend, berührend und zuweilen auch höchst amüsant aus dem inneren und äußeren Dasein ihrer Protagonistin erzählt, geschickt Zitate Else Lasker-Schülers und wichtiger Zeitgefährten wie Gottfried Benn oder Gerhart Hauptmann einfließen lässt, scheinen Autorin und Dichterin ebenso zu verschmelzen wie Fiktion und historische Realität. Eine Hommage an eine der größten deutschen Lyrikerinnen, die ihre bergische Heimat nie vergaß.

ISBN 978-3-943886-26-9  / Preis 1

Rezension Bergische-Blaetter-Frau-Schmoeckel

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